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Wo stand die Dionysius Kirche in Herne?

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Herausgegeben von in Herne Geschichte ·
Andreas Janik
Wo stand die Dionysius Kirche?
Neue Notizen zur Herner Geschichte

Die Quelle aller christlichen Glaubenszeugnisse in Herne ist seit rund 140 Jahren verschwunden. Die Rede ist von der ehemals dem Heiligen Dionysius geweihten Kirche im Dorfzentrum Hernes. Im Zuge des sprunghaften Anstiegs der Bevölkerung Hernes durch die zunehmende Industrialisierung und die dadurch aufkommende Verstädterung, aber auch in der Konkurrenz zum neu aufblühenden Katholizismus, war die alte Dorfkirche zu klein und unpraktisch geworden.
Erhalten ist bis heute das Mauerwerk des Turmes, wenn es auch als Grundbefestigung der Kreuzkirche nicht mehr sichtbar ist. Die alten Joche des Langhauses mit ihren wertvollen romanischen Kapitel und Säulenbasen sind ebenso verschwunden wie der Chor, die Seitenschiffe und weitere dem gesamt Ensemble zugehörigen Bauteile.
Doch wo lag dieses Kirchengebäude eigentlich genau? Wie ist der Sachstand im Frühjahr 2018?
Als erstes ist es wichtig, sich die Geschichte des Kirchplatzes zu vergegenwärtigen. Die Kirche stand inmitten des Dorfes und bildete mit den, ihrem Baukörper umgebenden, Friedhofsflächen einen leichten Hügel. Dieser Friedhof wurde in den Jahren zwischen 1841 – Eröffnung des „neuen“ Friedhofes an der Friedhofstraße, dem heutigen Behrenspark – und 1852 eingeebnet und zu einer platzartigen Fläche umgewidmet. Seit demselben Jahr ist der Platz als Heimat des Herner Wochenmarktes überliefert. Spätestes durch den Abriss des uralten Armenhauses und dem Neubau einer evangelischen Schule an seiner Stelle, wurde dieser Kirchplatz öffentliche Verkehrsfläche.
Nach dem Abriss des Kirchturmes 1873 und der übrigen Gebäudeteile 1876 wurde der Marktplatz um diese Fläche vergrößert und an der Stelle des Altars im Chor wurde zur feierlichen Bestimmungsübergabe eine noch bis 1934 vorhandene Friedenslinde gepflanzt.
Nachdem 1896 der Markt zum „Neumarkt“ zwischen der Heinrich-, Oststraße (heute Schaeferstraße) und Schulstraße übersiedelte, wurde der immer noch hügelige „Altmarkt“ planiert. Dabei müssen weitere Reste der Kirche mit abgetragen worden sein. Das beschrieb in den 1930er Jahren der damalige Ausgräber und ersten Museumsdirektor des Emschertal Museums der Stadt Herne Karl Brandt so:
„Als vor etwa 30 Jahren die alte Oberfläche des Altmarktes um etwa 1,20 Meter abgetragen worden ist, hat man nicht auf irgendwelche Funde und Befunde geachtet. Nicht einmal den Grundriß der alten Kirche, der vor 30 Jahren noch höher war als heute, wurde vermessen und aufgezeichnet.“
Diese Tieferlegung war sehr gut an dem 1967 abgetragenen alten Pastorat zu sehen zu dem mehrere Stufen empor gingen. Ursprünglich lagen Kirchen- und Pastoratshaustür auf einer Ebene.
Brandt holte mit dieser Ausgrabung alles nach, was die Väter 3 Jahrzehnte zuvor nicht beachteten: Er vermass „den vollständigen Grundriß der etwa 7 – 800 Jahre alten Dionysiuskirche und somit auch deren Lage auf dem Altmarkt.“
Nach Beendigung der Ausgrabungen wurde der Grundriss maßstabsgetreu mit all den damals umliegenden bestehenden Gebäuden in mehreren Zeichnungen eingetragen.  Damit dieser öffentlich sichtbar blieb, wurden „der Platz […] als Grünanlage hergerichtet, [und] die Fundamentzüge im Rasen durch Sandsteinplatten auf Betonfundamenten markiert.“
Dieser Zustand blieb für die nächsten 38 Jahre so und blieb bis heute im kollektiven Gedächtnis der Herner Bevölkerung verankert.
Im Zuge der Verkehrsplanung der Stadterneuerung um 1970 wurde schnell klar, dass der Krafft-Messing-Platz der neuen Durchgangsstraße weichen musste. In diesem Artikel ist allerdings nicht der Platz, die vom Bremer Landesarchäologe Karl-Heinz Brandt, Sohn Karl Brandts,  als „Schande von Herne“ benannte Zerstörung des alten Dorfkerns zu kommentieren. Wie wir wissen, wurde ja bereits 70 Jahre zuvor der ursprüngliche Zustand vernichtet.
1972 erfolgte eine finale Notgrabung, dessen Daten allerdings bereits zur Grabungsendzeit verloren gegangen sind. Fest steht: „Die von K. Brandt dargelegten Ergebnisse konnten in wesentlichen Punkten bestätigt, in anderen ergänzt werden.“
Das Ende des Platzes war auch das Ende der Kirchenüberreste. Ob und wie viel von den Grundmauern noch unter dem Straßenpflaster verborgen liegt, entzieht sich der allgemeinen Beurteilung. Es ist aber anzunehmen, dass es keinerlei Spuren mehr gibt.
Im Zuge meiner stadtgeschichtlichen Beschäftigung habe ich durch freundliches Mitwirken der Leitung des Emschertal Museums und des Stadtarchives der Stadt Herne, sowie des LWL Landesmuseum für Archäologie in Herne alle auffindbaren Materialien zur alten Dionysius Kirche durcharbeiten können.
Um nun die einleitende Frage, wo lag die Kirche den nun genau, beantworten zu können, habe ich einige wichtige Karten und Pläne digital übereinander gelegt.

1. Durch den Stadtumbau Herne-Mitte wurde von der Stadt Herne die Umgestaltung des Europaplatzes geplant und durch die städtischen wie politischen Gremien verabschiedet. Der Vorlage 2017/0084 lag ein öffentlicher Plan bei, welcher neben die neu aufzuführende Plasterung alle bestehenden Gebäude beinhaltete .
2. Der von Karl Brandt 1934/35 gezeichnete Grundriss-Plan mit Gebäuden(Abb. 2).
3. Der 1972 von Lobbedey/Schmidt herausgegebene Grundriss.

Da der Plan 1 die Grundrisse des neu geplanten Gemeindezentrums der Kreuzkirchengemeinde beinhaltete, war ich in der Lage diese mit der maßstabsgerechten Grundriss-Zeichnung Karl Brandts (Plan 2) zu belegen. Diese wiederum habe ich maßstabsgetreu mit dem Plan 3 belegt und erhielt dadurch den genauen Sitz der Kirche.
Schon in meinem Vortrag für die VHS der Stadt Herne vom November 2015 konnte ich einen ungefähren Übersichtplan nebst Bildrekonstruktion präsentieren.
Leider hat das Archiv der Stadt meine Idee ungefragt übernommen und eine neue Bildrekonstruktion in Auftrag gegeben , welche allerdings den genauen historischen Standort unbeachtet ließ.
Nachdem ich den genauen historischen Punkt ermitteln konnte, stellte ich fest, dass fast das gesamte nördliche Seitenschiff und der Strünkede Keller im fußläufigen Teil der Sodinger Straße liegt. Ich nahm den mir von einigen Seiten angetragenen Wunsch auf und schrieb am 7. Februar 2017 an den Fachbereich Tiefbau und Verkehr, ob es nicht möglich wäre den alten Sitz der Kirche durch ein farbiges Plaster im neu aufzuführenden Bereich zu kennzeichnen.
Auch der SPD Bezirksfraktion Herne-Mitte stellte ich diese Frage und sie wurde vom Fraktionsvorsitzenden Bornfelder am 16. Februar 2017 zur Frage gestellt.
„Auf Anfrage von Herrn Bornfelder, ob man auf dem Europaplatz den alten Standort der Dionysius-Kirche farblich auf dem Boden kenntlich machen und ein Hinweisschild installieren kann, teilt Herr Klein-Altstedde mit, dass man höchstens eine Bildtafel aufstellen kann, die auf den alten Standort hinweist.“
Herr Bornfelder unterrichtete mich dahingehend, dass der geplante Fahrradweg eine farbliche Aufpflasterung entgegen steht.
Nichtsdestotrotz hege ich doch die Hoffnung, dass nach Beendigung des Umbaus des Europaplatzes zumindest die Hinweistafel der Stadtverwaltung den genauen historischen Lageplan der Kirche angibt.
„Meines Erachtens wäre es Stadtgeschichtlich, wie auch Städtebaulich von hoher Bedeutung, die Keimzelle Hernes ihren Bürgern zurückzugeben.“




Autor:
Andreas Janik
Altenhöfener Straße 116
44623 Herne

Bildquellen:
Aus den Beständen des Emschertal Museum der Stadt Herne und einer Postkarte unbekannter Herkunft.

Download, Ausdruck und Speicherung für Privat und Forschung erwünscht. Für Archive, öffentliche Einrichtungen und Vereine nur nach schriftlicher Nachfrage und Erlaubnis des Autors.

Zitierung: Janik, Andreas: Wo stand die Dionysius Kirche - Neue Notizen zur Herner Geschichte. Herne Januar 2018 ©





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